13.05.2013
Jahresmitgliederversammlung 2013
Die Jahresmitgliederversammlung fand am 28. April 2013 in Wolnzach statt.
Der Generationswechsel und die steigende Bürokratie bereiten den Wildhaltern Probleme. „Es wird nicht einfacher“, stellte Vorsitzender Josef Klinger bei der Jahresmitgliederversammlung des Landesverbandes Bayerischer landwirtschaftlicher Wildhalter fest. In Bayern sind mit 2350 Gehegen 40 Prozent aller deutschen Wildgehegen beheimatet, 317 davon besitzen den Status „freilebendes Wild“. Dem Landesverband gehören derzeit 807 Mitglieder an - 57 weniger als im Vorjahr. „Es hören immer wieder Gehegebesitzer mangels Nachfolger auf und es finden relativ wenig Neugründungen statt“, beschrieb Geschäftsführer Josef Wasensteiner die derzeitige Situation. An dieser Stelle merkte er kritisch an, dass Gehegegenehmigungen immer schwieriger werden, da höhere Hürden zu überspringen sind als noch vor Jahren. „Es werden viele‚ Steine in den Weg gelegt“, fasste er zusammen.

Foto: (v.l.) Ehrenvorsitzender Prof. Dr. Günter Spatz, Dr. Hermann Meiler, Dr. Peter Mank, Bürgermeister Jens Machold, Vorsitzender Josef Klinger, Max Weichenrieder, Stellv. Landrat Franz Rothmeier, Geschäftsführer Josef Wasensteiner, Johann Wirthmüller, stellvertretender Landes- und Bundesvorsitzender sowie Ministerialrat Hans Klein.
Einen großen Erfolg verbuchte Wasensteiner bei seinem Tätigkeitsbericht für das Zentrallandwirtschaftsfest, bei dem man neben vielen Verbrauchern auch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Pressevertreter erreichen, für sich gewinnen und Verständnis für die extensive Wildfleischerzeugung wecken konnte. „Die beste Öffentlichkeitsarbeit könnte jeder Wildhalter selbst machen, indem er vor Ort direkt an sein Gehege einlädt“, gab er in diesem Zusammenhang den Zuhörern als Anregung mit, um wirkungsvoll Werbung für ihr Produkt zu machen. Weiter appellierte er an das Engagement der Mitglieder, die Interessen nach außen zu vertreten und für die Gehegewildhaltung im öffentlichen Umfeld aufklärend zu werben. Nach seiner Auskunft liegt die durchschnittliche Gehegegröße in Bayern bei 3,7 ha.
Als positives Ergebnis der Verbandsarbeit stellte der Geschäftsführer die sogenannte 28-Tage-Regelung heraus, die eine Erleichterung beim Abschuss darstellt. So sei bei Kleinerzeugern mit weniger als 50 Tieren im Jahr eine Lebendbeschau bis 28 Tage, statt drei Tage, vor der Schlachtung möglich. Außerdem teilte Wasensteiner mit, dass für die EU-Kommission beim Thema Lebensmittelqualität die Nachvollziehbarkeit der Produktion der wichtigste Aspekt ist.
Erfreuliches gab es auch über den Sachkundelehrgang „kundige Person“ am Lehr-, Versuchs- und Demonstrationsgehege der LfL in Pfrentsch zu berichten, der eine wertvolle Grundlage für die 28-Tage-Tageregelung darstellt. „Bisher haben in den letzten drei Jahren in 27 Kursen insgesamt 585 Personen daran teilgenommen“, so Wasensteiner, der den nächsten Lehrgang für den 14. November 2013 ankündigte.
In ihren Grußworten wiesen der stellvertretende Landrat Franz Rothmeier und Bürgermeister Jens Machold darauf hin, dass die Region vom Hopfen-, Spargel- und Zuckerrübenanbau geprägt ist. „Ohne die Bäuerinnen und Bauern, die das Rückgrat in den Dörfern darstellen, wäre eine positive Entwicklung im ländlichen Raum nicht möglich“, waren sie sich einig.
„Die Wildhaltung mit ihren relativ kleinen Strukturen ist kein Hobby, sondern Passion und Teil der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung – mit allen Problemen, wie zum Beispiel im Tierschutz und in der Vermarktung“, betonte Kreisobmann Max Weichenrieder. Er rief die Gehegebesitzer auf, Einigkeit zu demonstrieren und mit einer Stimme zu sprechen, um bei Anliegen Gehör zu finden.
Die Grüße des Landwirtschaftsministeriums überbrachte Ministerialrat Hans Klein. Er gab zu bedenken, dass die Erwartungen an die nachhaltige Landwirtschaft in der Gesellschaft zunehmen und die Nachfrage nach regionalen Produkten steigt. „Das ist durchaus eine Chance für die landwirtschaftliche Wildhaltung“, so Klein, der die Unterstützung durch die staatlichen Fachberater zusagte und sich für eine starke Position durch eine gute Standesvertretung aussprach.
Zwei Fachvorträge ergänzten die Tagung am Nachmittag. So kündigte Dr. Peter Mank, Geschäftsführer der Brenneke GmbH an, dass das Interesse an bleifreier Munition rasant wächst. Er rechnete damit, dass in rund drei Jahren die Verwendung von bleifreier Munition vom Gesetzgeber verlangt wird. Die Gründe: keine Bleibelastung des Wildbrets, keine Gefährdung der Adler und anderer Greife sowie hochwertiges Lebensmittel für den Verkauf. Bei der Umstellung ist nach Information von Mank folgendes zu beachten: die Tötungswirkung ist nicht mit der Fluchtstrecke gleichzusetzen, die durchschnittliche Schussdistanz sollte 60 bis 90 Meter betragen, es gibt keine signifikanten Unterschiede im Abprallverhalten und die Waffe muss öfter gereinigt werden. Weiter gab er zu bedenken dass bleifreie Munition ein geringeres Gewicht als bleihaltige besitzt, Standardkaliber für den Einsatz bis zu 150 Meter geeignet sind, sich für größere Entfernungen der Einsatz von Magnumkalibern empfiehlt und beim Kauf auf das CIP Zeichen zu achten und nur auf bekannte Hersteller zu vertrauen ist. „Beschäftigen Sie sich damit, was Sie von Ihrer Munition erwarten und auf welche Wildarten dieses verwendet werden soll“, lautete abschließend seine Empfehlung. Seiner Meinung nach können Wildhalter bei Verbraucher mit bleifreier Munition durchaus punkten, indem sie ein höherwertigeres Wildbret anbieten, und schon ein Mehrerlös von 1 €/kg decke den höheren Preis.
Über praktische Wildbrethygiene referierte der leitende Veterinärdirektor der Stadt Hof Dr. Hermann Meiler. „Hygiene beginnt schon beim Ansprechen des Wildes vor dem Erlegen“, machte er aufmerksam. Zu überprüfen sind Ernährungszustand, Beschaffenheit des Haarkleids, Tierverhalten, Art der Fortbewegung, Lautäußerungen, Verletzungen und Verschmutzungen. „Hinweise auf Veränderungen können wichtig und in Folge für den Zustand und die Verwertbarkeit des Wildbrets von Bedeutung sein“, betonte er. Im Folgenden gab Meiler Hinweise zum Erlegen und Entbluten.
Quelle: Helga Gebendorfer