10.01.2018

Jahresmitgliederversammlung

Am 21. Oktober 2017 fand die Jahresmitgliederversammlung des Landesverbandes Bayerischer landwirtschaftlicher Wildhalter e. V. in Denkendorf statt.

 
 
Ein Pldoyer fr die landwirtschaftliche Wildhaltung hielt Gerhard Eck, Staatssekretr im Bayerischen Innenministerium, bei der diesjhrigen Jahresmitgliederversammlung vom Landesverband Bayerischer landwirtschaftlicher Wildhalter in Denkendorf. Fr eine Reihe von Herausforderungen sagte er seine Untersttzung zu.
 
Wild ist eine Delikatesse und ein ausgezeichnetes Lebensmittel, stellte Eckl bei seinem Gruwort fest. Weiter begrte er die hervorragende Lebenssituation der Tiere und das tiergerechte Tten durch den Schuss. Die landwirtschaftlichen Wildgehege sind ein Segen fr die Landschaft und Natur. Sie sind eine Augenweide und kologisch gut, fasste er zusammen. Zudem bezeichnete Eck das Lehr-, Versuchs- und Forschungsgehege Pfrentsch als Musterbetrieb, der fr alle Wildhalter von Nutzen ist.
 
Groe Herausforderungen sah der Staatssekretr in Sachen Groe Beutegreifer. Hier mssen entsprechende Einzunungen angesprochen werden, meinte er und sagte den Zuhrern seine Untersttzung bei der Genehmigung und Finanzierung beim Zaunbau zu. Schlielich betonte er, dass hinsichtlich Baurecht Sonderlsungen fr Kleinbetriebe gefunden werden mssen, wobei er anbot, ihm Informationen mitzugeben, um dies im Einzelfall zu prfen.
 
Landesvorsitzender Max Weichenrieder sagte Gerhard Eck ein herzliches Vergelts Gott, dass er die Sorgen und Nte der Wildhalter mitnahm und sich fr deren Belange einsetzen will. Die Probleme nehmen eher zu als ab, erklrte er und forderte besonders beim Thema Beutegreifer, dass die Mglichkeit zum Handeln gegeben sein muss.


 
Nach Informationen von Geschftsfhrer Josef Wasensteiner sind derzeit beim Landesverband 712 Mitglieder organisiert. Er berichtete, dass die Geschftsstelle mit Geschftsfhrer und Sachbearbeiterin neben der Mitgliederverwaltung eine Reihe von weiteren Aufgaben bewltigt: Anfragen und Beratungsgesprche zu Gehegegenehmigung, Auflagen Naturschutz, Baurecht, Austausch mit dem Bundesverband und anderen Landesverbnden zu Themen wie Vermarktung, Hygienebestimmungen, Tierschutz Schlachten, nderungen bei der Berufsgenossenschaft, Wolf. Die politische Verbandsarbeit erstreckt sich vom Austausch mit anderen Landesverbnden im Bundesverband sowie dem Austausch mit bayerischen Institutionen und verbndeten Organisationen ber die Abstimmung mit dem Landwirtschafts-, Umwelt- und Innenministerium bis hin zu Vertretung in Brssel ber FEDFA und Lobbyarbeit. Schlielich zhlte Wasensteiner noch die Zusammenarbeit mit dem Tiergesundheitsdienst Bayern, neue Frdermanahmen, Berufsgenossenschaft, Lehrgnge zur Tierschutzschlachtverordnung und Wolf-Vorkommen zu weiteren Informationsaufgaben.
 
ber die Entwicklung der landwirtschaftlichen Wildhaltung in den letzten sechs Jahren gab Gottfried Prantl vom Landwirtschaftsministerium Auskunft. Demnach reduzierte sich in diesem Zeitraum die Zahl der Betriebe in Bayern um 31 auf aktuell 1559. Dies teilt sich auf in 1031 Damwild-Betriebe (-35), 415 Rotwild-Betriebe (+25) und 113 Gemischtbetriebe (-21). Whrend sich die Zahl von Damwild um 3534 auf 23086 Stck reduzierte, wuchs das Rotwild um 80 auf 10580 Stck. Die Gehegeflche umfasst 4900 ha bei durchschnittlich 3,5 ha pro Betrieb und neun Alttiere pro Hektar.
 
Spitzenreiter in der Wildhaltung ist Niederbayern mit 420 Betrieben, gefolgt von Oberbayern mit 357 und Oberpfalz mit 234 Betrieben. Der Rest verteilt sich auf Oberfranken und Schwaben mit je 148 Betrieben, Mittelfranken mit 132 sowie Unterfranken mit 120 Betrieben.   Im Anschluss gab Prantl einen berblick ber die Frdermglichkeiten fr Gehegeflchen, wie Direktzahlungen, Ausgleichszulage, Agrarumweltmanahmen und Kulturlandschaftsprogramm.
 
 
 
Dem Gesundheitsmonitoring im Gehege widmete sich Dr. Ursula Domes vom Tiergesundheitsdienst Bayern. Danach machte sie die Wildhalter darauf aufmerksam, dass sie ein Augenmerk auf die Mineralstoffe, Salz, Spurenelemente und Vitamine im Futter legen sollten. Sie stellten wichtige Nahrungsbestandteile dar - besonders in Wachstum, Trchtigkeit, Milchproduktion, Haarwechsel und Geweihbildung. Deutschland ist Selenmangelgebiet, machte sie deutlich. Dieses wirke sich aus auf Muskelwachstum, Immunsystem, Klauengesundheit und Fruchtbarkeit. Bei Mangel knnten Muskelschwche (Weimuskelkrankheit), Kmmern, vermehrtes Liegen, bei dem der Kopf nicht gehoben werden kann, Schluckbeschwerden, Schden an der Herzmuskulatur und Todesflle auftreten.
 
Auf Kupfermangel reagiert Damwild empfindlicher als Rotwild. Gefhrdet sind Bden mit erhhten Molybdn- und Schwefelwerten sowie moosige, sandige Bden und Standorte mit Staunsse. Die Folgen sind schlechtes Wachstum, sprdes und helles Haarkleid, Blutarmut, Fruchtbarkeitsstrung und Infektionsanflligkeit. Jedes Gehege und jedes Jahr ist nicht gleich, informierte Domes, die empfahl bei Verdacht Blut-/Leber bzw. Futter-/Bodenproben einzuschicken.
 
Ihre Tipps: ganzjhrig freier Zugang von allen Tieren zu Mineralfutter, Klberschlupf einrichten, mehrere Leckschalen aufstellen, unterschiedliche Sorten anbieten, auf Schmackhaftigkeit achten, Salzlecksteine auf Pfosten befestigen, Schafmineralfutter ist praktisch ohne Kupfer (<10mg/kg), keine verdorbenen Futtermittel fttern, auf Hygiene achten, das heit keine Bodenftterung, langsame Futterumstellung von ein bis zwei Wochen.
 
ber die Erzeugergemeinschaft fr Gehegewild berichtete der oberpflzische Bezirksvorsitzende Martin Biegerl. Demnach wurde diese 1993 als wirtschaftlicher Verein zur Vermarktung von Wildfleisch gegrndet und umfasst momentan 140 Mitglieder. Aktuell werden jhrlich mit geringen Schwankungen etwa 20 Tonnen Wildfleisch vermarktet. Als Vorteil bzw. Nutzen fr die Mitglieder fhrte er auf: Optimierte Preisverhandlung/-bildung im Markt, Koordination der Lieferungen (auch mehrerer Gehegebetreiber) zu einem Termin an einen Abnehmer mit EZG eigenem Khlhnger, administrative Abwicklung und Abrechnung der Lieferung zwischen Mitglied und Abnehmer sowie Informations-und Erfahrungsaustausch der Mitglieder in Kooperation und Zusammenarbeit mit dem Landesverband.
 
Quelle: Helga Gebendorfer